Bertrand Russell: Skeptischer Denker - engagierter Intellektueller Symposium zum 50. Todesjahr Russells am 7. November 2020 in Nürnberg  
© Gesellschaft für kritische Philosophie/Humanistische Akademie Bayern 2019

Programm

Ablauf

  Uhrzeit   Programmpunkt   10.00       Einführung   10.15       Dr. Dr. Joachim Kahl (Marburg):                  Wofür es sich zu leben lohnt. Russells skeptische Lebensweisheit.                   Eine Interpretation des Vorwortes zu seiner Autobiografie   11.00       Prof. Dr. Rudolf Lüthe (Aachen):                  Vom Wert des Zweifels. Anmerkungen zur skeptischen                              Grundorientierung der Philosophie Bertrand Russells   11.45       Kaffeepause 1   12.15       Prof. Dr. Harald Seubert (Basel):                  Bertrand Russell über wissenschaftliche Philosophie und den                  Beitrag der Psychologie zu Ethik und Politik   13.00       Mittagspause   14.15       Prof. Dr. Armin Pfahl-Traughber (Brühl):                  Russells Sozialismus-Verständnis. Entwicklung und Positionen                  eines antikommunistischen und demokratischen Sozialisten   15.00       Prof. Dr. Wulf Kellerwessel (Aachen):                  Russells Kritik am Nationalismus und seine Idee einer Weltregierung   15.45       Kaffeepause 2   16.15       Dr. Martin Morgenstern (St. Wendel/Saar):                  Russells Religionskritik   17.00       Podiumsdiskussion mit den Referenten                                                        18.15       Ende der Veranstaltung Nach jedem Vortrag sowie im Rahmen der Podiumsdiskussion besteht für die Teilnehmenden Gelegenheit, Fragen zu stellen und Diskussionsbeiträge zu äußern.

Themen

Wofür es sich zu leben lohnt. Russells skeptische Lebensweisheit.                     Eine Interpretation des Vorwortes zu seiner Autobiografie Dr. Dr. Joachim Kahl Das Vorwort Russells zu seiner Autobiografie ist ein faszinierender, kurzer Text, der unmittelbar anspricht und kaum spezifisch philosophische Vorkenntnisse verlangt. Er gibt Einblick in Russells intellektuelle und politische Motivation und lobt die drei Leidenschaften der Liebe, des Erkenntnisdrangs und des Mitleids. Er schlägt eine Brücke zu einem ganz frühen Text von 1903 („Was ein freier Mensch verehrt“) und kann als repräsentativ für das Gesamtwerk gelten. Ein Humanismus auf der Höhe der Zeit! (Anmerkung: Der Text wird bei der Veranstaltung auf Englisch und Deutsch als Handout verteilt.) Vom Wert des Zweifels. Anmerkungen zur skeptischen Grundorientierung der Philosophie Bertrand Russells Prof. Dr. Rudolf Lüthe Zeit seines Lebens hat Russell sich als Skeptiker gesehen. Nicht so offen- sichtlich ist dagegen, wie er dieses skeptische Denken genau verstanden hat. In meinem Vortrag will ich auf diese Frage eine (vorläufige) Antwort geben. Dazu vergleiche ich Russells diesbezügliche Äußerungen mit den skeptischen Elementen der Philosophien von Hume, Kant und Popper. Ich stelle Russells Verständnis skeptischen Denkens im Kontext dieser drei Varianten von Skepsis dar und wäge dann ab, welcher dieser Positionen dieses am ehesten ähnelt. Nach der eingangs vollzogenen Präsentation des skeptischen Grundzugs von Poppers Falsifikationismus wende ich mich im zweiten Teil meiner Überlegungen Russells eigenem Verständnis der skeptischen Elemente in den Philosophien Humes und Kants zu. Dieses entnehme ich im Wesentlichen der Darstellung dieser Lehrmeinungen in seiner „History of Western Philosophy”. In den letzten beiden Schritten werde ich mich dann im Durchgang durch einige einschlägige Lehrstücke Russells aus verschiedenen seiner Schriften auf direktem Wege seiner eigenen Haltung nähern. Bertrand Russell über wissenschaftliche Philosophie und den Beitrag der Psychologie Prof. Dr. Harald Seubert Der Vortrag skizziert den Philosophiebegriff von Bertrand Russell als eine eigenständige Ausprägung der methodischen und ontologischen Erneuerungen der Philosophie in der Moderne. Dabei werden die Eigenheiten des realistischen Holismus und die Selbstrevisionen in Russells Denkentwicklung besonders berücksichtigt. Das Verhältnis zwischen Psychologie, Moral und theoretischer Philosophie bei Russell bildet einen weiteren Schwerpunkt des Vortrags. Russells Sozialismus-Verständnis. Entwicklung und Positionen eines antikommunistischen und demokratischen Sozialisten Prof. Dr. Armin Pfahl-Traughber Bertrand Russell verstand sich als Sozialist, allerdings mehr im Sinne des ethischen Verständnisses eines Gilden-Sozialismus. Damit einher ging seine Ablehnung dogmatischer Sozialismus-Auffassungen, wie sie bereits im klassischen Marxismus angelegt waren. Außerdem positionierte sich Russell immer deutlich gegen den diktatorischen Sozialismus der Sowjetunion. Gerade diese Konsequenz, Freiheit und Sozialismus miteinander zu verbinden, unter- scheidet ihn von vielen anderen Linksintellektuellen seiner Zeit. Damit einher- gehende Besonderheiten sollen im Vortrag aufgearbeitet und systematisiert werden, handelte es sich doch bei Russell um einen Denker, der den „Verrat der Intellektuellen“ nicht beging. Eine solche Konsequenz hebt ihn über viele auch heute noch allgemein geschätzten Denker, Dichter und Künstler hinaus. Was der Ausgangspunkt und die Grundlagen dieser Haltung waren, soll ebenfalls im Vortrag herausgearbeitet werden. Russells Kritik am Nationalismus und seine Idee einer Weltregierung Prof. Dr. Wulf Kellerwessel Russell hat sich über Jahrzehnte mit der Problematik des Nationalismus und den von diesem mit hervorgerufenen kriegerischen Konflikten befasst. Er plädierte bereits seit dem Ersten Weltkrieg für eine Überwindung des aggressiven politischen und wirtschaftlichen Nationalismus durch die Einrichtung einer Weltregierung, die einen weltweiten Frieden stiften und durchsetzen sollte. – Der Vortrag zeichnet die Entwicklung von Russells Auffassungen nach und geht dabei auch auf Russells Versuche ein, den Begriff der Nation zu bestimmen. Thematisiert werden darüber hinaus nationale Vorurteile und deren moralische Konsequenzen. Erörtert wird vor allem aber Russells Idee, mithilfe einer einzusetzenden Weltregierung dauerhaft Krieg zu vermeiden. Russells Religionskritik Dr. Martin Morgenstern Als Religionskritiker bekannt geworden ist Russell vor allem durch die Essaysammlung „Warum ich kein Christ bin“ von 1957. In seiner Kritik befasst er sich sowohl mit den klassischen und modernen Beweisen für den Gottes- und Unsterblichkeitsglauben als auch mit spezifischen Inhalten des christlichen Glaubens. Auch die neuzeitlichen Konflikte zwischen christlicher Religion und den Wissenschaften und die Frage einer religiösen Grundlage der Moral nimmt er kritisch unter die Lupe. Neben den Inhalten von Russells Religionskritik werden in diesem Vortrag auch ihre aufklärerischen Impulse thematisiert.

Tagungsort

Das Symposium findet in Nürnberg im Marmorsaal der „Nürnberger Akademie“ statt (siehe die oberen zwei Fotos links auf dieser Seite). Bei dem Gebäude handelt es sich um das ehemalige Gewerbemuseum, erbaut von 1892 von 1897 im Stil eines repräsentativen neobarocken Schlosses. Das Museum war zugleich handwerkliche und industrielle Bildungsstätte zur Vermittlung der künstleri- schen Gestaltung von Gebrauchsgegenständen - heute würde man „Design“ sagen.

Essen & Trinken

In den beiden Kaffeepausen (11.45 Uhr und 15.45 Uhr) wird es nicht nur Getränke, sondern auch süße und herzhafte Kleinigkeiten zu essen geben. Die Verpflegung in diesen beiden Pausen ist im Teilnahmebeitrag inbegriffen. Das Mittagessen (13.00-14.15 Uhr) nehmen die Teilnehmenden in einer Lokalität ihrer Wahl und auf eigene Kosten ein. Wir empfehlen zum einen den Marientorzwinger (ca. 3 Gehinuten vom Veranstaltungsort), der im Augenblick allerdings geschlossen ist - ob er rechtzeitig zum Symposium wiedereröffnet wird, ist noch nicht bekannt. Ebenfalls empfehlenswert ist zum anderen das Restaurant Heilig-Geist-Spital, das ca. 5 Gehminuten vom Tagungsort reizvoll in der Nürnberger Altstadt liegt (siehe die drei unteren Fotos links auf dieser Seite; Lageplan und Wegbeschrei- bung im PDF ebenda).
Der Weg vom Tagungslokal zum Heilig-Geist-Spital; hier der Lageplan mit Wegbeschreibung als PDF-Download.
Startseite Programm Referenten Anmeldung Anfahrt Kontakt Programm
© Bettmann Archive